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Sulamith Frerich

Jun.-Prof. Dr.-Ing. Sulamith Frerich
Juniorprofessorin
Virtualisierung verfahrenstechnischer Prozesse
Fakultät für Maschinenbau
Ruhr-Universität Bochum

 

 

Warum sind Sie Wissenschaftlerin geworden?

Meine Tätigkeit hat mit der Weitergabe von Wissen zu tun. Ich finde es fast essentiell, dass die Ergebnisse, die man selbst entdeckt hat, nicht nur in der Schublade verstauben, sondern dass man diese auch einer größeren Gruppe zugänglich macht. Nicht nur auf dem klassischen Weg, dass man publiziert, sondern dass man sich auch darüber austauscht, Vorträge hält und ins Gespräch kommt. Das hat mich schon frühzeitig an der Wissenschaft interessiert und das hat sich auch so verstetigt.

Woran arbeiten Sie?

Ich versuche Forschung und Lehre miteinander zu verknüpfen und zu verstehen wie man Forschungsergebnisse frühzeitig weitergibt. So dass man die Lehre an die Forschung anlehnt und damit bereichert.

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?

Dass es sehr unterschiedliche Menschen sind, mit denen ich zu tun habe. Ich bilde neben Ingenieurinnen und Ingenieuren auch Lehramtsstudierende aus.  Eigentlich sollte jeder, der selbst Inhalte vermittelt, über eine gewisse Lehrkompetenz verfügen. Der klassische Ingenieur beschäftigt sich jedoch üblicherweise nicht damit, wie man Sachen so ansprechend zusammenfasst, dass sie auch jemand versteht, der nicht vom Fach ist. Aber das funktioniert später im Job nur bedingt, wenn man in interdisziplinären Teams zusammenarbeitet und dann ein Wirtschaftswissenschaftler nicht die gleiche Sprache spricht.

Was unterscheidet den/die Wissenschaftler:in von Personen anderer Berufsgruppen?

Ich glaube schon, dass Wissenschaftler:innen sehr leidensfähig sein müssen. Weil es doch teilweise sehr frustrierend sein kann, wenn man zwar forscht, aber nicht die Ergebnisse herausbekommt, die man sich eigentlich gewünscht hat. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und man Geld für ein Projekt bewilligt bekommen hat, kann man aber im Rahmen dessen sehr frei entscheiden, wie man sich weiterentwickelt. Man ist nicht verpflichtet, gewisse Ergebnisse zu generieren, weil man die Freiheit der Forschung hat. Für manche ist es schwierig nachzuvollziehen, dass man sich seine Ziele selber suchen muss. Aber wenn man die dann gefunden hat, ist es sehr befreiend.

Würden Sie anderen raten, in die Wissenschaft zu gehen?

Grundsätzlich ja, wenn sie von Themen wirklich so begeistert sind, dass sie mehr darüber erfahren wollen und auch in einer Tiefe, die in der freien Wirtschaft nicht möglich ist. Aber ich würde es mit Einschränkungen empfehlen, weil die Karrierewege in der Wissenschaft sehr dünn sind. Wirklich Karriere dort zu machen, gelingt nur ganz wenigen. Ich selbst bin immer noch befristet beschäftigt. Ich glaube, man muss abwägen und im Zweifelsfall auch eine Alternative entwickeln, um nicht das Gefühl zu haben, man gerät auf ein Abstellgleis. Sorgenfrei ist es also nicht.

Was für ein Typ muss man sein, um in der Wissenschaft zu arbeiten?

Was die Sache leichter macht, ist hohe Selbstdisziplin. Auf jeden Fall gut ist, wenn jemand kritisch mit sich und anderen Dingen umgeht, also die eigenen Ergebnisse hinterfragen kann und sich auch gewisser Schwachpunkte bewusst ist. Man sollte auf jeden Fall kommunikativ sein. Es herrschte früher die Vorstellung, dass ein Wissenschaftler immer alleine für sich arbeitet. Das ist nicht mehr so, denn man muss seine Ergebnisse an Studierende weiter geben, auf Tagungen auftreten oder für Projektanträge auch mal eine überzeugende Rede halten können. Das funktioniert nur, wenn man auch sich mit Menschen beschäftigen will und weiß, wie man selbst bei Menschen ankommt. Ich bin überzeugt, dass es nach wie vor wichtig ist, dass man gründlich ist. Man muss Dinge ganz tun wollen und nicht nur ein bisschen, man muss sich auch mit Fehlern beschäftigen, die auftreten können, man muss den Blick erweitern und nicht nur an einer Sache festhängen. Oft ergeben sich dadurch ganz neue Ideen oder auch künftige Forschungsgebiete.